Chatam Sofer – Metamorphosen

Das Österreichische Jüdische Museum lädt herzlich ein zur Eröffnung der

Sonderausstellung

Chatam Sofer
Metamorphosen

Wann: Montag, 07. März 2016, 18 Uhr

Wo: Österreichisches Jüdisches Museum

  • Begrüßung: Johannes Reiss
  • Direktor Prof. Dr. Pavol Mestan, Dr. Sc., Slovak National Museum of Jewish Culture
  • Kuratorin der Ausstellung, Viera Kamenická
  • Honorarkonsul Prof. Alfred Tombor-Tintera
  • Vertretung der Botschaft der Slowakischen Republik in Wien
  • Vertretung der Gemeinde der Freistadt Eisenstadt

Koscher-Weinprobe mit Imbiss, Musik: Pressburger Klezmer Band.

Zu Chatam Sofer, dem Schwiegersohn von Rabbi Akiba Eger dem Jüngeren, siehe besonders auch unseren Blogartikel: Akiba Eger und Chatam Sofer.

nach oben

Abgelegt in: Veranstaltungen

Schlagwörter: , | Kommentare (0)

Nachlese – ‚Hier liegt geborgen …‘

Unsere Präsentation gestern war eine ganz großartige, wunderbare und berührende Veranstaltung. Das verdanken wir ganz besonders auch Ihnen allen, die nach Eisenstadt gekommen sind und dabei waren. Ich danke Ihnen im Namen meiner MitarbeiterInnen sehr herzlich dafür. Mehr als 300 BesucherInnen fanden sich am älteren jüdischen Friedhof ein, das Wetter war traumhaft und warm, das Gras war binnen einer Stunde rechtzeitig vor Beginn der Präsentation aufgetrocknet, die Sonne warf ein fast surreales Licht auf die alten Grabsteine. Wir hatten das beste Publikum, das es gibt und obwohl so viel Menschen sich zugleich am Friedhof befanden, erzeugte die pietätvolle Ruhe und Stille eine würdige Stimmung.

Auf vielfachen Wunsch ließ ich mich dann doch überreden, meine Begrüßungsworte sowie die Projektvorstellung online zu stellen, siehe unten.
Der Text wurde nicht adaptiert, sondern es handelt sich schlicht um die gestern gesprochene Rede.

Rabbiner Shmuel Schapira nach seinem Gebet am Grab von Rabbi Meir Eisenstadt


Rabbiner Shmuel Schapira nach seinem Gebet am Grab von Rabbi Meir Eisenstadt

Diözesanbischof Ägydius Zsifkovics mit Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg


Interreligiöser Gipfel: Diözesanbischof Ägydius Zsifkovics und Oberrabbiner Prof. Paul Chaim Eisenberg begrüßen einander

Über 300 BesucherInnen der Präsentation


Noch immer kommen BesucherInnen zur Präsentation auf den Friedhof

Begrüßung und 'zum Projekt', Johannes Reiss


Begrüßung und „zum Projekt“, Johannes Reiss

Die besten BesucherInnen, die wir uns wünschen können


Die besten BesucherInnen, die wir uns wünschen können

Landtagsabgeordneter und Bürgermeister Mag. Thomas Steiner bei seiner Ansprache


Landtagsabgeordneter und Bürgermeister Mag. Thomas Steiner bei seiner Ansprache

Oberrabbiner Prof. Paul Chaim Eisenberg bei seiner Ansprache mit anschließendem Kaddisch


Oberrabbiner Prof. Paul Chaim Eisenberg bei seiner Ansprache mit anschließendem Kaddisch

Bischof Zsifkovics liest mit im hebräischen Gebetbuch von Rabbiner Shmuel Schapira


Bischof Zsifkovics liest mit im hebräischen Gebetbuch von Rabbiner Shmuel Schapira

Shlomit Butbul singt 'Jeruschalajim schel sahav' - touching experience!


Shlomit Butbul singt „Jeruschalajim schel sahav“ – touching experience!

Zsolt Grünwald von der jüdischen Gemeinde Szombathely


Zsolt Grünwald von der jüdischen Gemeinde Szombathely bei seinen einführenden Worten zum traditionellen hebräischen Lied ‚Szól a kakas már‘, das die jüdische Gemeinde vortragen wird

Jüdische Gemeinde Szombathely spielt und singt 'Szól a kakas már'


Jüdische Gemeinde Szombathely spielt und singt ‚Szól a kakas már‘ – Gänsehaupt pur. Köszönöm!

BesucherInnen nehmen sich einen Stein um diesen auf ein von ihnen ausgesuchtes Grab zu legen


BesucherInnen nehmen sich einen Stein, um diesen auf ein von ihnen ausgesuchtes Grab zu legen

Ein historischer Moment: Bischof Zsifkovics vor dem Grabstein von Jakob Reichenau ben Wolf


Ein historischer Moment: Bischof Zsifkovics vor dem Grabstein von Jakob Reichenau ben Wolf

Die QR-Codes werden gestest - mit Erfolg!


Die QR-Codes werden gestest – mit Erfolg! Und wir sind beruhigt ;-)

300 BesucherInnen auf dem Friedhof und es herrschte würdige Stille


300 BesucherInnen auf dem Friedhof und es herrschte würdige Stille

Wer ist hier begraben? Hindel Spitzer, gestorben 1864


Wer ist hier begraben? Hindel Spitzer, gestorben 1864

Grabsteine mit darauf gelegtem Stein und QR-Code


Grabsteine mit darauf gelegtem Stein und QR-Code

Traum-Buffett unserer Mitarbeiterin Christa Krajnc


Traum-Buffett unserer Mitarbeiterin Christa Krajnc

Sturm aufs kalte Buffet


Sturm aufs kalte Buffet

Freunde und Kollegen aus Eisenstadt und dem Burgenland


Freunde und Kollegen aus Eisenstadt und dem Burgenland

Prominente aus der jüdischen Gemeinde Wien: (von links): DI Georg Haber, Mag. Wolf-Erich Eckstein, Dr. Timmothy Smolka


Prominente aus der jüdischen Gemeinde Wien: (von links): DI Georg Haber, Mag. Wolf-Erich Eckstein, Dr. Timmothy Smolka

weiterlesen im Beitrag ›Nachlese – ‚Hier liegt geborgen …‘‹ »

nach oben

Abgelegt in: Burgenland, In eigener Sache, Veranstaltungen

| Kommentare (1)

‚Hier liegt geborgen …‘ – Einladung zur Präsentation unseres Friedhofsprojekts

Wir freuen uns sehr, zur offiziellen Präsentation unseres kürzlich fertiggestellten Friedhofsprojekts

„Hier liegt geborgen …“

Digitale und physische Dokumentation der 1.082 Grabsteine des älteren jüdischen Friedhofs in Eisenstadt

einladen zu dürfen!


Wann: Sonntag, 8. November 2015, um 11 Uhr

Wo: Älterer jüdischer Friedhof, Eisenstadt

Eingang des älteren jüdischen Friedhofs, um 1920

Eingang des älteren jüdischen Friedhofs, um 1920

Das Programm

Begrüßung und Vorstellung des Projekts: Johannes Reiss

Musik: Jeruschalajim schel sahav – interpretiert von Shlomit Butbul

Geleitworte zum Projekt: LAbg Mag. Thomas Steiner, Bürgermeister der Freistadt Eisenstadt

Ansprache und Kaddisch: Oberrabbiner Prof. Paul Chaim Eisenberg


Anschließend laden wir zu einem kleinen Koscher-Style-Buffet im Museum.

Alle BesucherInnen haben die Möglichkeit, einen Stein auf eines der Gräber zu legen.

Männliche Besucher ersuchen wir, eine Kopfbedeckung zu tragen.

Das digitale Projekt: http://ojm.at/ajf


Wir stellen einen Autobus (Wien – Eisenstadt – Wien) gratis zur Verfügung.

Treffpunkt: Sonntag, 08. November 2015, 09.30h Schwedenplatz / Ecke Rotenturmstraße
Rückfahrt: 13.30h

Anmeldung für den Autobus bis spätestens 04. November 2015:

  • telefonisch: +43 (0)2682 65145
  • per E-Mail: info@ojm.at

Zum Projekt

Obwohl wir seit der wegweisenden Publikation Bernhard Wachsteins aus dem Jahr 1922 (siehe genauer unseren seinerzeitigen Einleitungsartikel zum Projekt) wissen, wer damals auf dem älteren jüdischen Friedhof in Eisenstadt begraben war (1.140 Personen in 1.117 Gräbern), war bis dato völlig unbekannt, wo am Friedhof sich welches Grab heute befindet. Die einstigen Standortnummern sind nicht mehr sichtbar, die oft so weisen, textintensiven sowie schönen und ausschließlich hebräischen Inschriften zum Teil kaum oder gar nicht mehr zu lesen.

Trotzdem ist es uns gelungen, von den heute am Friedhof zu findenden 1.082 Grabsteinen (von 1.105 Personen) 1.074 eindeutig zuzuordnen, die wenigen Fehlenden (Fragmente etc.) zumindest mit hoher Wahrscheinlichkeit. Wir haben in 8 Monaten intensivster Arbeit nicht nur eine vollständige digitale Edition des älteren jüdischen Friedhofes erstellt (mit Foto, Lageplan, kompletter zeilengerechter Abschrift der Inschrift, biografischen Notizen, Anmerkungen zur Inschrift und Verlinkung aller Verwandten des Toten sowie Personen- und Lageplanregister), sondern es wurde auch jeder einzelne Grabstein auf dem Friedhof mit einer (neuen) Standortnummer versehen. Sowohl mit QR-Code (via Smartphone) als auch mit bereit gestellten gedruckten Listen kann ab sofort jede/r Begrabene sicher gefunden werden. In Summe stellt dieses Dokumentationsprojekt eine höchst innovative Aufarbeitung des Friedhofs dar, die österreich- und europaweit, vielleicht sogar weltweit einzigartig ist.

Grabstein Hirz Kamen mit QR-Code

Grabstein Hirz Kamen mit QR-Code

Der ältere jüdische Friedhof in Eisenstadt darf sicher – neben jenem in der Seegasse in Wien – als bedeutendster jüdischer Friedhof in Österreich gelten. Bedeutend – sowohl in Hinblick auf seine Größe und sein Alter (wir konnten auch den ältesten jüdischen Grabstein des Burgenlandes, jenen von Hirz Kamen, gestorben 1679, finden) als auch in Hinblick auf die am Friedhof begrabene gelehrte jüdische „Prominenz“ (darunter an erster Stelle der erste Rabbiner Eisenstadts, der auch als erster den Namen „seiner“ Stadt als Nachname führt: Rabbi Meir Eisenstadt, gestorben 1744).

Tausende Menschen aus aller Welt – Verwandte, Pilger, aber auch interessierte Touristen –besuchen jährlich den Friedhof. Nebst der längst überfälligen historischen und kulturgeschichtlichen Notwendigkeit, die einzelnen Gräber den Begrabenen korrekt zuzuordnen, können nun endlich Angehörige die Gräber ihrer Verwandten finden.

Diese Aufarbeitung des älteren jüdischen Friedhofs in Eisenstadt ist zweifelsohne das größte und in vielerlei Hinsicht wohl auch wichtigste und nachhaltigste Projekt unseres Museums seit seiner Existenz: zum einen werden Namen und Biographien von ganzen Generationen von Eisenstädter Jüdinnen und Juden aus den Grabinschriften kenntlich und für die Zukunft dauerhaft bewahrt, zum anderen wird erstmals und für alle BesucherInnen eine genaue Orientierung auf dem Friedhof möglich.

Wir würden uns freuen, Sie zur Vorstellung dieses für unser Haus so wichtigen Projekts begrüßen zu dürfen!


„Here lies buried…“ – an invitation to the Presentation of our Cemetery Project

We are highly pleased to invite you to the official presentation of our recently completed Cemetery Project entitled

„Here lies buried…“

A digital and physical documentation of the 1,082 gravestones in the Older Jewish Cemetery in Eisenstadt


When?: Sunday, 8 November 2015, at 11:00 am

Where?: Older Jewish Cemetery, Eisenstadt

Eingang des älteren jüdischen Friedhofs, um 1920

Entrance to the Older Jewish Cemetery, ca. 1920

Program

Welcome address and introduction to the project: Johannes Reiss

Music: Yerushalayim shel zahav – sung by Shlomit Butbul

Address by LAbg Mag. Thomas Steiner, mayor of Eisenstadt

Address and Kaddish: chief rabbi Paul Chaim Eisenberg


Kosher style buffet (in the museum)

Every visitor will be given the opportunity to put a stone on one of the graves.

Male visitors are kindly asked to cover their heads.

The digital project: http://ojm.at/ajf

For visitors from Vienna we provide a free bus service (Vienna – Eisenstadt – Vienna).

Meeting point: Sunday, 8 November 2015, 9:30 a.m., at the corner Schwedenplatz/Rotenturmstraße
Return trip: 1.30 p.m.

Please make sure to register for the bus until 4 November 2015 at the latest

About the project

Although we have known who lies buried in the Older Jewish Cemetery ever since the pioneering documentation by Bernhard Wachstein was published in the year 1922 (for details, please refer to the contemporary introductory article on the project) – namely, 1,140 persons in 1,117 graves – to date it has remained completely in the dark where in the cemetery each respective grave is located. The erstwhile gravesite numbers are no longer decipherable or even visible; the frequently poignant and wisdom-laden textual scripts and beautiful inscriptions exclusively in Hebrew are either partly or completely deteriorated, i.e. unreadable and thus irreplaceably lost.

Nevertheless, of the overall total of 1,082 gravestones (embracing 1,105 persons) we have succeeded in identifying and designating 1,074 clearly and reliably. The remaining few (fragments, etc.) have been allocated/earmarked with a high degree of probability. Over the course of eight months of intensive work, we have not only created and are about to publish a complete digital edition of the Older Jewish Cemetery, including photos, map of the grounds, reproduction of all gravestone inscriptions, biographical notes, comments on the inscriptions and Internet links of all relatives of the deceased as well as an index of names and register of the site; at the same time, each individual gravestone in the cemetery has also been assigned a (new) number for its site and location. Both with QR code (via smartphone) and with printed lists which are provided, each and every person buried in this cemetery can finally be determined and pinpointed with certainty. All in all, this documentation project resulted in a highly innovative overhaul and reworking of the data pertaining to the cemetery. It is unique in Austria and throughout Europe, perhaps even in the world.

Grabstein Hirz Kamen mit QR-Code

Gravestone Hirz Kamen with QR code

The Older Jewish Cemetery in Eisenstadt can surely be considered the most important Jewish cemetery in Austria, along with the cemetery in the Seegasse in Vienna. Important both with regard to its size and its age (we were able to find the oldest Jewish gravestone in the Burgenland, that of Hirz Kamen, died in 1679); as well as with regard to the prominent Jewish scholars who lie buried here, including as leading light, Eisenstadt’s first rabbi who was also the first to bear the name of „his“ city: Rabbi Meir Eisenstadt, died 1744.

Thousands of people from all over the world – relatives, pilgrims, but also interested tourists – visit the cemetery each year. Apart from the urgent historical and cultural necessity of correctly hallmarking the individual graves of the deceased, now also family members, next of kin and loved ones can, at long last, find the graves of their relatives.

This study, the reworking of data and the resulting digest of Eisenstadt’s Older Jewish Cemetery is doubtless the largest and in many respects most significant project our museum has undertaken since its founding. We believe it will prove enduringly and sustainably fruitful. On the one hand, entire generations of Jews from Eisenstadt have been identified and made recognizable for anyone desirous of learning their names and biographies in present and future; on the other, for the first time, a precise on-site orientation of the cemetery has been generated and is available for all visitors.

We are very pleased to invite you and would be honored to greet you at the presentation of this project which is so important to our museum.


nach oben

Abgelegt in: In eigener Sache, Veranstaltungen

Schlagwörter: , | Kommentare (5)

Lange Nacht der Museen 2015

Das Österreichische Jüdische Museum nimmt heuer wieder an der „Langen Nacht der Museen“ teil. Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie in dieser besonderen Nacht auch unser Museum besuchen!

Wann: Samstag, 3. Oktober 2015, 18.00 bis 01.00 Uhr
Wo: Österreichisches Jüdisches Museum

Grabstein Hindel Spitzer, 1864

Grabstein Hindel Spitzer, 07. Juli 1864


Unser Programm im Detail

18.00 – 19.30 Uhr: Einmal andersrum! (Kinderprogramm)
In Anlehnung an unsere Schwerpunktausstellung versuchen wir mit der schwächeren Hand zu malen. Selbstverständlich erhält jede Künstlerin / jeder Künstler ein Geschenk!

19.00 Uhr: Führung Schwerpunktausstellung „Schloss Hartheim … und dann kamen die grauen Busse …“.

20.00 – 22 Uhr: Gratis Koscher-Wein-Verkostung

20.15 Uhr: In d’Schul! (Synagogenführung)

21.00 Uhr: Prominente Grabsteine: Von Frommen und Geschmähten … (Ein nächtlicher Besuch am jüdischen Friedhof)

22.00 Uhr: In d’Schul! (Synagogenführung)

22.45 Uhr: Prominente Grabsteine: Von Frommen und Geschmähten … (Ein nächtlicher Besuch am jüdischen Friedhof)

23.15 Uhr: In d’Schul! (Synagogenführung)

00 Uhr: Prominente Grabsteine: Von Frommen und Geschmähten … (Ein nächtlicher Besuch am jüdischen Friedhof)

Eintritt bzw. Teilnahme mit dem „Lange Nacht“-Ticket:

  • regulär EUR 13
  • ermäßigt EUR 11
  • frei für Kinder bis 12 Jahre

Das Ticket berechtigt zum Besuch aller an der „Langen Nacht“ teilnehmenden Museen in ganz Österreich.

Tickets erhalten Sie

  • im Österreichischen Jüdischen Museum (Vorverkauf & Abendkasse)
  • in allen weiteren teilnehmenden Museen

Bitte beachten Sie, dass unser Museum Samstag, 3. Oktober, und Sonntag, 4. Oktober, tagsüber geschlossen und an diesem Wochenende „nur“ in der Langen Nacht der Museen geöffnet ist!

Weitere Informationen zur „Langen Nacht“ erhalten Sie auf langenacht.orf.at.

Credit: Leopold Museum; ORF-Design / Matthias Kobold

Credit: Leopold Museum; ORF-Design / Matthias Kobold

nach oben

Abgelegt in: In eigener Sache, Kunst und Kultur, Veranstaltungen

| Kommentare (0)

Der älteste jüdische Grabstein des Burgenlandes

Fast auf den Tag genau, nach 8 Monaten und pünktlich zu Rosch ha-Schana 5776, konnten wir den ersten Teil, nämlich die digitale Edition, unseres großen Friedhofsprojekts

„Hier liegt geborgen …“

Digitale und physische Dokumentation der 1.082 Grabsteine des älteren jüdischen Friedhofs in Eisenstadt.

fertigstellen.

Nun arbeiten wir mit Hochdruck am zweiten Teil, der das Projekt zu einem besondern und österreich- bzw. europaweit (weltweit?) einzigartigen macht, nämlich die zusätzliche komplette physische Dokumentation des Friedhofes!

Wir dürfen es schon verraten: Jeder der 1.082 Grabsteine erhält ein witterungsbeständiges Plättchen, auf dem zur schnellen Orientierung der Standort des Grabsteines zu finden ist (z.B. G-19) sowie einen QR-Code, der auf die spezifische URL des Grabsteines führt. Dort finden Sie dann neben Foto und zeilengerechter Abschrift der Inschrift auch biografische Notizen und Links zu den ebenfalls am älteren Friedhof begrabenen nächsten Angehörigen.

Präsentiert wird das Projekt am Sonntag, 8. November um 11 Uhr. Wir laden dazu noch extra ein, please save the date!

Selbstverständlich haben wir das Projekt nicht nur mit dem Grabstein des berühmtesten Rabbiners des Burgenlandes und auch eines der brühmtesten in Österreich, Rabbi Meir Eisenstadt, begonnen, sondern wollen das Projekt auch mit einem „Paukenschlag“ beenden: Mit dem ältesten jüdischen Grabstein des Burgenlandes – jenem von Hirz Kamen, gestorben 1679:

    Großformat: Grabstein Naftali Hirz ben Abraham ha-Levi Kamen (Coma), 23. Tammus 439


Der erste Name, der uns von der wiederentstandenen Gemeinde Kunde gibt, ist auch der eines ihrer vornehmsten Gründer. Hirz Kamen wurde in Frankfurt a.M. als der Sohn des dortselbst 1652 als Vorsteher verstorbenen Abraham Kamen geboren. Er zählte sich … zu den Nachkommen des Gelehrten und Synagogendichters Akiba Frankfurter, der ebenso durch seine schriftstellerischen Hervorbringungen wie durch seine schöpferische Tätigkeit auf charitativem Gebiete einen Namen erworben hatte. In den sechiziger Jahren des 17. Jahrhunderts treffen wir Hirz Kamen in Wien an, wo er im Rabbinats-Kollegium des … bekannten Gelehrten Gerson Aschkenasi als Beisitzer wirkte. Seine rabbinische Tätigkeit fand jedoch durch die über die Wiener Judenschaft im Jahre 1670 hereingebrochene Katastrophe ein jähes Ende. Im Unglücksjahre fiel ihm … auch die Aufgabe zu, an allen Schritten zur Abwendung der Katastrophe tätigen Anteil zu nehmen. Als die Wiener Judengemeinde nach allen Richtungen zerstob, ging Kamen mit einem Teile der Exulanten nach Nikolsburg in der Hoffnung, von dort aus die Wiederkehr nach Wien zu erwirken. Auch in Nikolsburg sehen wir ihn unter den Vertretern der aus Wien Vertriebenen.

Fünf Jahre lang dauerte das Hoffen und Bangen. Schon glaubten sie sich am Ziele, das alte Gemeindewesen, wenn auch in verkleinertem Maße und unter drückenden Bedingungen aufrichten zu könnten. Der Kompromiss zur Wiedereinlassung der Juden nach Wien wurde von den Führern, unter denen unser Hirz an zweiter Stelle erscheint, am 13. März 1675 in Nikolsburg unterschrieben, aber der Erfolg blieb auch diesmal aus und die Verhandlungen verliefen resultatlos. Nun blieb den Wienern nichts anderes über, als entweder die Fürst Dietrichsteinsche Untertanenschaft anzustreben oder eine neue Heimat ausfindig zu machen. Ein Teil blieb denn auch in Nikolsburg oder in den angrenzenden mährischen Gemeinden, ein anderer Teil, der aus ideellen oder wirtschaftlichen Gründen in das Nikolsburger Gemeindewesen sich nicht einfinden konnte, begründete die neue Gemeinde in Eisenstadt, deren alte wohl von demselben Schicksal wie die von Wien 1670 betroffen wurde. Dass Kamen in dem wahrscheinlich winzigen Gemeinwesen eine passende berufliche Stellung gefunden habe, ist nicht anzunehmen. Sowohl in seiner eigenen Grabschrift wie in denen seiner Kinder wird er als einstiges Mitglied des Wiener Rabbinats bezeichnet. Man begreift, dass diese gewesene Würde noch immer für den Träger und das Geschlecht mehr Glanz hatte als ein selbständiges Rabbinat in der kleinen Landgemeinde. Aber immerhin würde diese Tätigkeit eine Erwähnung gefunden haben, zumal in der nachfolgenden Zeit, wo Männer von Namen in der indes angewachsenen Gemeinde das Rabbinat bekleideten. Damit soll jedoch nicht behauptet werden, dass neben dem angesehenen und gelehrten Manne ein anderer die geistliche Führung hatte. Das Gemeindewesen war eben in seinen Anfängen, so dass die Rabbinatsagenden von einem Mitgliede der Gemeinde im Ehrenamte versehen werden konnten. Nur eine kurze Spanne Zeit war es Hirz Kamen vergönnt, an der Ausgestaltung der neuen Heimat zu wirken. Sein Geschlecht glühte jedoch bis in die neuere Zeit in Eisenstadt fort.

Wachstein B., Die Grabinschriften …, a.a.O., 1f (leicht gekürzt)

nach oben

Abgelegt in: Burgenland, Leben und Glaube

Schlagwörter: , , | Kommentare (1)