Koschere Melange

Das Blog des Österreichischen Jüdischen Museums - ISSN 2410-6380

Lange Nacht der Museen 2019

Wir wünschen allen Leserinnen und Lesern unserer Koscheren Melange ein glückliches und gesundes neues Jahr 5780. שנה טובה ומתוקה, כתיבה וחתימה טובה! Das Österreichische Jüdische Museum nimmt heuer wieder an…

Wir wünschen allen Leserinnen und Lesern unserer Koscheren Melange ein glückliches und gesundes neues Jahr 5780.

שנה טובה ומתוקה, כתיבה וחתימה טובה!


Das Österreichische Jüdische Museum nimmt heuer wieder an der „Langen Nacht der Museen“ teil. Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie in dieser besonderen Nacht auch unser Museum besuchen!

Wann: Samstag, 05. Oktober 2019, 18.00 bis 01.00 Uhr
Wo: Österreichisches Jüdisches Museum


Unser Programm im Detail

Havdala-Kerze

18.00 – 01.00 Uhr: Dauerausstellung zu jüdischen Festen, Lebensabschnitten und Synagoge, Schwerpunktausstellung Schicksalsjahr 1938
Individueller Besuch der Ausstellungen.

Virtine mit Kinderspielzeug und Büchern

18.30 – 19.00 Uhr:
KINDERPROGRAMM

Führung durch Synagoge und Museum.

Topfenkuchen

19.45 – 20.15 Uhr: BRÄUCHE, TRADITIONEN UND WUNDER
Wie ist das eigentlich mit dem Osterputz, dem Adventkranz und den milchigen Speisen zu Pfingsten und wann genau war die Hochzeit zu Kana?
Jüdische und christliche Feste. Ihre Parallelen, Bezüge und Verbindungen, über den Zeitpunkt des Festes und Zahlenspiele bis zur Kulinarik. Und wie wir mit einfachen Hebräischkenntnissen sogar das Neue Testament besser verstehen können.

Levitenkrug

20.15 – 20.45 Uhr: IN DER SYNAGOGE UND IN DER KIRCHE
Über die Aufgaben und Rollen der „Funktionäre“ wie Rabbiner, Priester, Leviten, Lektoren und Kantoren.
Ein Vergleich der Ämter in beiden Religionen: Bedeutung, Gemeinsamkeiten, Verschiedenheiten.


5-armiger Leuchter

20.45 – 21.15 Uhr: FÜHRUNG durch DAUERAUSSTELLUNG und SYNAGOGE
Mit Schwerpunkt fünf-, sechs, sieben-, acht- und neun-armiger Leuchter


Adventkranz

21.45 – 22.15 Uhr: BRÄUCHE, TRADITIONEN UND WUNDER
Wie ist das eigentlich mit dem Osterputz, dem Adventkranz und den milchigen Speisen zu Pfingsten und wann genau war die Hochzeit zu Kana?
Jüdische und christliche Feste. Ihre Parallelen, Bezüge und Verbindungen, über den Zeitpunkt des Festes und Zahlenspiele bis zur Kulinarik. Und wie wir mit einfachen Hebräischkenntnissen sogar das Neue Testament besser verstehen können.


Kohanim-Symbol

22.15 – 22.45 Uhr: IN DER SYNAGOGE UND IN DER KIRCHE
Über die Aufgaben und Rollen der „Funktionäre“ wie Rabbiner, Priester, Leviten, Lektoren und Kantoren.
Ein Vergleich der Ämter in beiden Religionen: Bedeutung, Gemeinsamkeiten, Verschiedenheiten.


7-armiger Leuchter

22.45 – 23.15 Uhr: FÜHRUNG durch DAUERAUSSTELLUNG und SYNAGOGE
Mit Schwerpunkt fünf-, sechs, sieben-, acht- und neun-armiger Leuchter



Eintritt bzw. Teilnahme mit dem „Lange-Nacht“-Ticket:

  • regulär EUR 15
  • ermäßigt EUR 12
  • frei für Kinder bis 12 Jahre

Das Ticket berechtigt zum Besuch aller an der „Langen Nacht“ teilnehmenden Museen in ganz Österreich.

Tickets erhalten Sie

  • im Österreichischen Jüdischen Museum (Vorverkauf & Abendkasse)
  • in allen weiteren teilnehmenden Museen

Bitte beachten Sie, dass unser Museum Samstag, 05. Oktober, und Sonntag, 06. Oktober, tagsüber geschlossen und an diesem Wochenende „nur“ in der „Langen Nacht der Museen“ geöffnet ist!

Weitere Informationen zur „Langen Nacht“ erhalten Sie auf langenacht.orf.at.


Keine Kommentare zu Lange Nacht der Museen 2019

Tief betrauert von seiner Gattin und seinem Sohne…

Bitte beachten Sie vor allem den Kommentar von David Birnbaum unten / Please see below the comment of David Birnbaum! Es passiert nur hin und wieder, dass ich auf einem…

Bitte beachten Sie vor allem den Kommentar von David Birnbaum unten / Please see below the comment of David Birnbaum!

Es passiert nur hin und wieder, dass ich auf einem jüdischen Friedhof mit fast 10.000 Grabsteinen beim ersten Fotografieren einen Grabstein mit hebräischer Inschrift fotografiere (mein Fokus lag ausschließlich auf halbwegs lesbaren hebräischen Inschriften), den man als „lucky shot“ bezeichnen darf…

So der Grabstein von Emanuel Mendel (Menachem) Birnbaum, der am 31. Mai 1875 verstarb und am jüdischen Friedhof Währing begraben ist.

Die hebräische Inschrift hat einen deutschen Zusatz, in dem wir unter anderem lesen:

Tief betrauert
von seiner Gattin und seinem Sohne

Eine sehr simple biografisch verwertbare Angabe: dass Menachems Ehefrau bei seinem Ableben noch am Leben war und dass er nur einen Sohn hatte, keine weiteren Kinder.

Selbstverständlich wollten wir wissen, wer die Ehefrau und wer der Sohn war, vor allem weil über Menachem / Emanuel Mendel Birnbaum so gut wie nichts bekannt ist. Wir begannen zu suchen und wurden, zumindest beim Sohn, schnell fündig:

Denn der in der Grabinschrift des Vaters nicht namentlich erwähnte Sohn ist niemand Geringerer als der Publizist und Aktivst

Dr. jur. Nathan (Nachum) Birnbaum, geb. am 16. Mai 1864 in Wien (Mutter: Marie Seelenfreund, Tochter des Rabbi Schlomo Samuel Seelenfreund, aus „Kaschau in Ungarn“ (Košice in der Ostslowakei), zuständig nach Wien, geb. 24. Dezember 1836, gest. 16. März 1896 in Wien).

Mit 26 Jahren heiratet Nathan Birnbaum am 03. August 1890 in der sefardischen Gemeinde Wien die 21-jährige Rosa Korngut aus Krakau.

Interessant ist, dass beide Ehepartner sowohl Deutsch als auch Hebräisch unterschreiben. Nathan unterschreibt mit נחום בירנבוים „Nachum Birnbaum“ auf Hebräisch (Nachum ist auch der Name seines Großvaters).

Dr. Nathan Birnbaum starb am 2. April 1937 in Scheveningen (NL).

Nathan Birnbaum, der vor allem unter dem Pseudonym Mathias Acher wirkte, war

eine der geistreichsten und schillerndsten modernen jüdischen Persönlichkeiten, dessen Spur fast völlig aus dem jüdischen Bewußtsein verloren ging…

spektrum.de

Nathan Birnbaum, einer der Vereinsgründer der Kadima (das hebräische Wort „kadima“ bedeutet „vorwärts“, „nach Osten“), veröffentlichte 1893 seine Programmschrift „Die nationale Wiedergeburt des jüdischen Volkes in seinem Lande, als Mittel zur Lösung der Judenfrage. Ein Appell an die Guten und Edlen aller Nationen“ (zum Download). Obwohl die Schrift einige Parallelen zu Herzls „Judenstaat“ aufweist, ist Birnbaum, der als Vertreter des kulturellen Zionismus gilt, im Gegensatz zu Herzl auf Palästina als nationales Zentrum festgelegt.

Nathan Birnbaum, der sowohl die Begriffe „Zionismus“ als auch „Ostjudentum“ geprägt hatte, war für kurze Zeit Wegbegleiter Theodor Herzls und erster Generalsekretär der Zionistischen Organisation. Er wandte sich allerdings sehr bald vom Zionismus ab und engagierte sich vor allem für das Ostjudentum, die chassidische Kultur und die jiddische Sprache. 1908 initiierte er die erste bedeutende Weltkonferenz für die jiddische Sprache in Czernovitz, bei der er sich vor allem für die Anerkennung des Jiddischen als Einheits- und Weltsprache des Judentums einsetzte. 1919 gehörte Nathan Birnbaum zu den Neugründern der Agudat Israel, der ultra-religiösen Bewegung der Orthodoxie, und wurde ihr erster Generalsekretär.

Hillel Zeitlin und Nathan Birnbaum, YIVO

Hillel Zeitlin und Nathan Birnbaum, Copyright: https://yivoencyclopedia.org/article.aspx/Birnbaum_Nathan



Das Bild zeigt Dr. Nathan Birnbaum (rechts) und Hillel Zeitlin. Zeitlin, 1871/72 in Korma, Gouvernement Mogiljow, Russisches Kaiserreich, geboren, war hebräischer und jiddischer Schriftsteller. Im Alter von 71 Jahren wurde er 1942 sowie seine beinahe gesamte Familie (nur Sohn Aaron überlebte) im Warschauer Ghetto ermordet (Schoa-Opfer), in den Händen den Zohar, eingehüllt in Tallit und mit angelegten Gebetsriemen.

Das Ehepaar Dr. Nathan Birnbaum und Rosa Korngut hatte 3 Söhne:

Dr. Salomon Ascher Birnbaum, geb. 24. Dezember 1891 in Wien,
Sprachwissenschaftler für hebräische und jiddische Sprache, gest. 28. Dezember 1989 und ist in Toronto begraben.

Menachem Birnbaum, geb. 13. März 1893 in Wien, jüdischer Buchkünstler, Porträtzeichner und Buchillustrator, wie seine Ehefrau Ernestine / Tina (Esther), geb. Helfmann und seine beiden Kinder Rafael Zvi und Chana ermordet 1945 in Auschwitz (Schoa-Opfer)

Uriel Birnbaum, geb. 13. November 1894 in Wien, Maler und Schriftsteller, gest. 09. Dezember 1956 in Amersfoort (NL). Zu den Glanzpunkten seines Werkes zählt der sogenannte Moses-Zyklus, dessen Originalbilder leider verschollen sind. Im Auditorium unseres Museums sind aber alle 50 Bilder des Zyklus reproduziert ausgestellt:


Quellen:

Dethloff Klaus, Theodor Herzl oder Der Moses des Fin de siècle, Wien 1986, 60.

Birnbaum Nathan, yivoencylopedia

Juden als Erfinder und Entdecker (hagalil.com)

Metzler Lexikon jüdischer Philosophen: Nathan Birnbaum

Siehe auch die teils umfangreichen Literaturverweise auf den zitierten Websites!

3 Kommentare zu Tief betrauert von seiner Gattin und seinem Sohne…

Ernest Simon

Our deepest and sincere congratulations to Mr. Ernest Simon, a former resident of Eisenstadt, who was awarded the British Empire Medal (BEM) for services to Holocaust Education and Remembrance! Es…

Our deepest and sincere congratulations to Mr. Ernest Simon, a former resident of Eisenstadt, who was awarded the British Empire Medal (BEM) for services to Holocaust Education and Remembrance!

Es kommt nicht alle Tage vor, dass einem ehemaligen Eisenstädter eine solch große Ehre zuteil wird. Wir gratulieren aus ganzem Herzen zu dieser großen Auszeichnung!

Ernest Simon ist der Enkel von Max (Mordechai) Simon und Klara (Kröndel) Simon, geb. Steiner, die beide am jüngeren jüdischen Friedhof in Eisenstadt begraben sind.



Ernst / Ernest Simon wurde am 26. Mai 1930 in Eisenstadt geboren.
Der Vater von Ernest Simon ist Ludwig Simon, kaufmännischer Angestellter, geb. 11. Juni 1901 in Kroatisch-Minihof, wohnhaft in Unterberg Eisenstadt. Die Mutter, Lina Farkas, wurde am 12. September 1903 geboren. Das Ehepaar erwarb die britische Staatsbürgerschaft. Vater Ludwig Simon starb 1955, Lina Simon 2002 (mit 99 Jahren) in Großbritannien.

Ernest Simon war 2014 am Europäischen Tag des Judentums in Eisenstadt und ich durfte mit ihm durch das ehemalige jüdische Viertel von Eisenstadt führen.

Hier noch ein Interview mit Ernest Simon in 2 Teilen vom 28. Mai 2010:

Video, Österreichische Mediathek, Teil 1, 28. Mai 2010

Video, Österreichische Mediathek, Teil 1, 28. Mai 2010

Interview, Teil 1

Video, Österreichische Mediathek, Teil 2, 28. Mai 2010

Video, Österreichische Mediathek, Teil 2, 28. Mai 2010

Interview, Teil 2

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Kafka und das Judentum

Das Österreichische Jüdische Museum lädt im Rahmen des Europäischen Tages der jüdischen Kultur 2019 herzlich ein zur Lesung “ … etwas zähes Judentum ist noch in mir, nur hilft es…

Das Österreichische Jüdische Museum lädt im Rahmen des
Europäischen Tages der jüdischen Kultur 2019
herzlich ein zur

Lesung
“ … etwas zähes Judentum ist noch in mir, nur hilft es meistens auf der Gegenseite.“

Einführende Worte: Alfred Schmidt
Lesung: Charlotte Aigner


Wann: Sonntag, 01. September 2019, 10.30-11.30 Uhr

Wo: Österreichisches Jüdisches Museum


Man geht wohl nicht fehl in der Annahme, im Judentum einen der bestimmenden Bezugspunkte in Franz Kafkas Schreiben ‒ und Leben ‒ zu sehen. Für Walter Benjamin waren die jüdisch-kabbalistische Tradition einerseits, die Erfahrung des entfremdeten modernen Großstadtmenschen andererseits, die beiden weit von einander entfernten Brennpunkte, um die Kafkas Schreiben sich bewegt. Doch war jenes „zähe Judentum“, das er selbst noch in sich spürte, ein vielfach gebrochenes. Denn schon für die Vätergeneration, Angehörige des zu Wohlstand gelangten deutschsprachigen Prager Bürgertums, war die eigene Tradition bereits zu einem äußerlichen Festhalten an sinnentleerten, mitunter bis zu grotesken Komik sich steigernden religiösen Gebräuchen verkommen. ‒ Kafkas persönliches Ringen um ein erneuertes, authentisches Verhältnis zum Judentum äußert sich in vielen biographischen Details, wie etwa seinem wachen Interesse an der zionistischen Bewegung. Viel schwieriger ist es allerdings den Einfluss des Judentums auf Kafkas literarisches Schaffen zu bestimmen, wo das Thema kaum ja explizit auftaucht, und doch in so vielen Texten ungreifbar gegenwärtig zu sein scheint.

Die Lesung versucht sowohl den biographischen als auch den literarischen Zeugnissen von Kafkas vielschichtigem Verhältnis zum Judentum nachzugehen.


Eine Kooperationsveranstaltung mit der Österreichischen Franz Kafka Gesellschaft.

Logo Franz Kafka Gesellschaft

Logo Franz Kafka Gesellschaft



Download Gesamtprogramm des Europäischen Tages der jüdischen Kultur 2019 im Burgenland (programm2019.pdf, 2.34MB)

EDJCPoster2019

EDJCPoster2019



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